Northumberland, England

In dieser romantischen, nahe der schottischen Grenze gelegenen Ruine soll ein sagenhafter Schatz vergraben sein, der von einem scheußlich verunstalteten Zwerg bewacht wird. Das Schloß wurde im dreizehnten Jahrhundert mit Steinen erbaut, die vom Hadrianswall geplündert waren, nachdem die Schotten die römischen Befestigungen durchbrochen hatten. „Thirlwall" bedeutet „durchbrochene Mauer".

Die Barons of Thirlwall waren, wie viele andere Familien im Grenzland, wehrhafte Krieger von großem Ansehen. Von ihrem Schloß aus ritten sie zu Kämpfen in Schottland und Frankreich. Zu Baron John de Thirlwalls Zeiten entstand die Sage um den vergrabenen Schatz. Der Baron war nach einem erfolgreich verlaufenen Feldzug in einem ausländischen Krieg im Triumph zum Schloß zurückgekehrt und hatte eine Wagenkarawane voller Beutestücke mitgebracht, die er seinen unglücklichen Opfern abgenommen hatte. Besonders kostbar war ein Tisch aus purem Gold. Ein Faktotum aus der Dienerschaft, ein mißgestalteter und schreckenerregender Zwerg mit übernatürlichen Kräften, sollte ihn bewachen. Nicht lange danach machten die Gerüchte über die neuerworbenen Reichtümer im Grenzland die Runde. Schließlich stürmten die Schotten eines Nachts das Schloß, überraschten die Verteidiger und schlachteten sie bis auf den letzten Mann ab. Als die Angreifer das Gemach erreichten, wo sie den Schatz vermuteten, war der Tisch verschwunden. Einer von ihnen schaute aus dem Fenster und sah den abstoßenden Zwerg, der sich abmühte, den Tisch in einen tiefen Brunnen zu werfen. Die Angreifer stürzten ihm mit gezückten Schwertern nach. Sie kamen aber zu spät, denn zuerst verschwand der Tisch und danach der Zwerg. Die verzerrten Gesichtszüge des Zwergs wurden durch sein höhnisches Lachen noch verstärkt, als er einen Fluch ausstieß, um die Öffnung des Brunnens zu versiegeln. Ein Fluch, von dem es heißt, er könne nur vom einzigen Sohn einer Witwe gebrochen werden.

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